FANDOM


Vergangenheit Nordrassils Fall Jenseits des Dunklen Portals Nordend Kataklysmus

Im Unterholz

Saviya spürte das weiche Laub unter ihr. Es roch nach Tau und wilden Kräutern. Sie lag leicht zusammengerollt halb auf der Seite, halb auf dem Rücken und blickte nach oben. Durch das dichte Blätterdach des Waldes blinzelte die Sonne.
Saviya drehte sich auf den Bauch. Ein leises Schnurren ließ ihre Schnurrbarthaare erzittern. Sie leckte ihre Tatzen. Plötzlich nahm sie eine Bewegung im Unterholz war und legte die Ohren an. Ein Sprung und kurze Federn tanzten durch die Luft.
Nachdem sie ihre Schnauze geputzt hatte, spürte sie, dass es an der Zeit war zurückzukehren. Sie sprintete los, durch das Dickicht und über Baumstümpfe. Schließlich erreichte sie die Straße. Als das Tor in Sichtweite kam, verließ sie die Katzengestalt und verwandelte sich in eine Kaldorei zurück.
Wie ungewohnt, dachte sie und musste sich darauf konzentrieren, nicht über ihre langen Beine zu stolpern. Sie kam schnell außer Atem und reduzierte ihr Lauftempo. In Astranaar angekommen, begrüßte sie die patrouillierende Schildwache.
Saviya begab sich zum Gasthaus, sie hatte unglaublichen Durst. Ein Becher Mondbeerensaft war jetzt genau das Richtige. Als sie bei der Wirtin etwas zu Trinken bestellte, wurde sie von einer Schildwache angesprochen. „Saviya Traumfeder?“ Die Schildwache musterte sie.
Saviya nahm einen Schluck und nickte. Ihre Augen weiteten sich allmählich, als sie ihr Gegenüber erkannte. „Raene Wolfsläufer! Elune sei mit dir,“ grüßte sie und trank gierig ihren Becher leer.
„Friede und Glück, Saviya.“ Raene deutete eine Verbeugung an. „Schön dich wieder zu sehen.“ Sie lächelte. „Viel Zeit ist verstrichen.“
Saviya nickte.
„Ich habe gehört, du bist nun eine Tempelwache. Möge Elune deinen Weg beschützen.“ Sie neigte leicht den Kopf.
Saviyas Wangen verdunkelten sich.
„Dieses Schreiben ist vor einigen Wochen für dich eingetroffen. Leider haben unsere Waldläufer dich nicht finden können,“ brach Raene das Schweigen.
Saviya schmunzelte. Nein, bestimmt nicht! Der Wald war ihr zweites Ich. Wenn sie nicht gefunden werden wollte, fand sie auch keiner. Sie nahm das Pergament, das Raene ihr hinhielt entgegen. Das Siegel der Expedition des Cenarius hielt es verschlossen.
Saviya stutzte. Das hatte sie nicht erwartet. Sie hatte eigentlich schon eine Zurechtweisung von Tyrande befürchtet, weil sie sich schon längst im Tempel hätte zurückmelden müssen.
Sie brach das Siegel und rollte das Pergament auf.
Ysiel Windsänger, die Leiterin der Expedition in den Zangarmarschen, wünschte ihre Anwesenheit.
Saviya rollte das Pergament wieder zusammen. Eine lange Reise stand ihr bevor.
Doch zunächst musste sie nach Darnassus. Tyrande sollte wissen, dass ihre Tempelwächterin bereit war, die Angelegenheiten der Schwesternschaft auf Draenor zu vertreten.

Telredor

Saviya stand auf der Aussichtsplattform von Telredor und blickte über die Zangarmarschen. Dichter Nebel lag über dem See zu ihren Füßen und ein kühler Wind streifte ihr langes Haar.
Was für eine fremde Welt!
Sie sehnte sich nach ihrem geliebten Eschental, den dichten Laubwäldern und dem frischen Gras. Sie vermisste die frische Waldluft und den Gesang der Vögel.
Die klamme Feuchtigkeit hier in den Marschen drang durch jeden Fetzen Ihrer Kleidung. Sie fröstelte.
Für einen Moment zog sie es in Erwägung, sich in einen Bären zu verwandeln. Das wärmende Fell würde sie vor der Kälte und Feuchtigkeit schützen. Doch bevor der Drang danach zu groß wurde, machte sie kehrt und ging ins Gasthaus zurück.
Zu viel Zeit hatte sie in den Tiergestalten verbracht. Immer schwerer war es ihr gefallen in ihre Welt als Kaldorei zurückzukehren. Mathrengyl Bärenfährte hatte sie gewarnt, diesen Weg weiterzugehen. Er hatte ihr von Druiden erzählt, die sich von diesem Pfad nicht mehr zu lösen vermochten und ihr Leben nur noch in der Tiergestalt meistern konnten, die nach und nach alles aufgaben, was sie zu Kaldorei machte und so wollte sie nicht enden.
Sie holte die Pflanzenteile aus ihrem Kräuterbeutel, die sie gesammelt hatte und untersuchte ihre Struktur. Die Mutationen waren deutlich zu erkennen. Sorgfältig wickelte sie die Pflanzen in ein Leinentuch. Lauranna Thar'well würde ihr mehr darüber sagen können. Sie packte ihre Sachen zusammen und machte sich auf den Weg zur Zuflucht des Cenarius.

Heimkehr

Warme, trockene Luft strömte durch ihr Gefieder. Unter ihr breitete sich meilenweit rote, verbrannte Erde aus. Zerklüftete Gesteinsformationen ragten zu allen Seiten weit in den Himmel. Sie flog Richtung Skald. Dort hatte sie vor einer Woche im Auftrag von Moosborke Eisenwurzelsamen in die vulkanische Erde gepflanzt. Nun wollte sie das Ergebnis ihrer Bemühungen überprüfen. Wider Erwarten war dort wirklich etwas gewachsen. Die Magie dieser Samen musste stärker sein, als Moosborke behauptet hatte. Doch als Saviya landete und die kleinen Sträucher begutachtete, erkannte sie schnell, dass sie sich zu früh gefreut hatte. Die jungen Blätter begannen sich braun zu verfärben. Die Hitze der vulkanischen Umgebung und der Wassermangel hatten sie verdorren lassen.
Diese Welt ist nicht mehr zu retten, dachte Saviya. Sie nahm noch eine Probe von der roten Erde, um sie zu untersuchen und mit den Proben zu vergleichen, die sie in den anderen Gebieten der Scherbenwelt gesammelt hatte. Dann erhob sie sich in die Lüfte und kehrte in den Ruuanwald zurück. In dem kleinen Gasthaus packte sie ihre Taschen. Die Erdproben und vielen Kräuter, die sie gesammelt hatte, konnte sie kaum in ihren Rucksäcken verstauen. Schwer beladen machte sie sich auf den Weg zum Greifenlandeplatz.
Bewundernd ließ sie ihren Blick über das kleine Lager der Expedition des Cenarius schweifen. Mit welcher Kraft und Überzeugung diese Kaldorei in einer fremden, unwirtlichen Welt Enklaven der Forschung aufbauten und verteidigten verdiente Respekt und Anerkennung. Doch Saviya sehnte sich nach ihrem Eschental. Nach den kühlen Wäldern und der frischen Luft, dem Zwitschern der Vögel und dem Rascheln der Blätter. Es war Zeit endlich heimzukehren.
„Ich benötige einen Greifen, der mich nach Shattrath bringt“, sagte sie. Der hoch gewachsene Nachtelf mit den langen grünen Haaren half ihr dabei, die Rucksäcke an dem Sattel des Greifen zu befestigen.
„Elune schütze Euch auf Eurer Reise“, sagte er und reichte Saviya die Zügel. Sie nickte ihm zu und drückte die Beine an den Körper des Tieres. Sie flüsterte dem Greifen etwas zu und das Tier schwang seine gewaltigen Flügel und erhob sich in die Lüfte.

Der Angriff

Saviya war kaum in Shattrath, als sie die Nachricht von Tyrande erreichte. Sie und alle Tempelwächter mussten sofort nach Darnassus zurückkehren. Eine Krise bahnte sich an, die die Verteidigung der Stadt mit allen möglichen Truppen sichern sollte.
Saviya war beunruhigt, um was für eine Art von Bedrohung es sich handeln konnte, die Tyrande zu solch einer drastischen Maßnahme verleitete.
Zögernd betrat sie in Shattrath das magische Portal nach Darnassus und stand einen Augenblick später im Mondtempel. Hier schien noch alles friedlich zu sein. Doch von draußen hörte sie etwas, das völlig untypisch für Darnassus war: Waffenklirren und Kampflärm. Sie eilte nach draußen und sah Xoranya und einige Schildwachen gegen eine handvoll Ghule kämpfen. Sofort griff sie in den Kampf ein. Ein Ghul schlug seine Krallen in ihr Fell und eine seltsame Taubheit breitete sich von dieser Stelle aus. Sie kämpfte weiter, doch nur mit halber Kraft. Plötzlich spürte sie einen heilsamen Zauber und die Benebelung verschwand. Die Ghule waren besiegt und die Schildwachen nahmen wieder ihre Position ein.
Saviya verwandelte sich zurück in ihre Nachtelfengestalt. „Was bei der Göttin geht hier vor sich?“
Xoranya war außer Atem. „Eine seltsame Seuche breitet sich aus. Sie verwandelt alle Befallenen in Zombies, die die Seuche wiederum weitergeben.“
Saviya sah ungläubig Richtung Bank. Mehrere Schildwachen und andere Nachtelfen waren in einen Kampf gegen weitere dieser Monster verwickelt. Einige Menschen, die sie anhand ihrer Uniformen als Mitglieder der Argentumdämmerung erkannte, griffen sofort in den Kampf ein und heilten die infizierten Wachen.
„Als ich mit Kondo in Sturmwind unterwegs war, sind uns schon einige dieser Wesen begegnet. Allerdings noch nicht so viele. Uns ist aufgefallen, dass in Sturmwind unglaublich viele Ratten umherliefen, die ein seltsames grünes Leuchten ausstrahlten. Möglicherweise erleben wir gerade den Ausbruch einer Epidemie,“ sagte Xoranya.
Saviya schüttelte den Kopf. „Nein, das ist keine einfache Epidemie. Dahinter steckt mehr. Ich melde mich bei Tyrande.“

Xoranya salutierte und lief in Richtung Bank, um die Wachen dort zu unterstützen.