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Abschied

Was sind schon zehn Jahre für eine Kal’dorei?
Der Schmerz sitzt immer noch so tief, dass ihr die Luft zum atmen fehlt, wenn sie an jenen Tag am Berg Hyjal denkt. Als hätte das Schicksal nach ihrem Herzen gegriffen und es zu einem harten Klumpen vertrocknen lassen.
Die ersten Jahre hatte sie geglaubt, seinen Weg zu gehen würde ihr die innere Ausgeglichenheit wieder bringen. Doch die Verbindung zur Natur wühlte sie noch mehr auf, als seine Nähe es jemals gekonnt hatte.
Ruhe fand sie nur im Schoss von Mutter Mond. Aber der Tempel war wie ein Gefängnis. Kalte, lieblose Mauern, die sie erdrückten. Verantwortung, die sie nie haben wollte. Einen Platz, den sie nicht ausfüllen konnte. Allein und verloren inmitten der Priesterschaft. So weit fort, von allem was ihr etwas bedeutete.
Welch Ironie, dass gerade jetzt als die Welt von Zerstörung erschüttert wurde, sich ihr die Möglichkeit der Flucht bot.
Der Tempel plante mehrere Schildwachen-Einheiten nach Hyjal zu entsenden, um die Wächter zu unterstützen. Saviya zögerte keinen Augenblick sich freiwillig für diesen Einsatz zu melden, auch wenn sie wenig Hoffnung hatte, dass ihr dieser Wunsch gewährt wurde. Zu viel war in letzter Zeit geschehen.
Und tatsächlich waren die Äußerungen der neuen Kommandantin der Tempelwache wenig erfolgversprechend.
Wer sie dennoch für den Einsatz eingeteilt hatte, wusste Saviya nicht.
Der Kommandantin war anzusehen, dass sie diese Entscheidung missbilligte als sie ihr die Befehle aushändigte.
Ob sie ahnte, was Saviya wirklich antrieb?
Saviya verwarf den Gedanken. Es war ihr ohnehin egal.
Den einzigen Lebewesen, denen sie wirklich vertraute, hatte sie ihre Gefühle offenbart. Zu groß wäre die Last gewesen, die sie hätte mitnehmen müssen.
Doch so bestand ihr einziges Gepäck aus einer kleinen Tasche und der Hoffnung auf ein Wiedersehen.


Dunkle Rauchschwaden schwebten über die verbrannte Erde.
Es roch nach Schwefel und Asche.
Mein Herz.
Saviya sah sich um und versuchte irgendetwas zu erkennen. Schritt für Schritt tastete sie sich vorwärts. Kaum konnte sie die Hand vor Augen sehen.
Hilf mir.
Die Stimme klang weit entfernt, einmal vor ihr, einmal hinter ihr.
Saviya drehte sich hilflos im Kreis.
„Wo bist du?“, rief sie in die Dunkelheit. Der Rauch reizte ihren Hals und sie musste husten.
Tränen stiegen in ihre Augen. Sie fiel auf die Knie und krallte die Finger in die rote Erde.
Als sie nach oben sah, warf ein helles Licht einen Kegel durch die Schatten.
Saviya hob den Arm vor die Augen, so sehr blendete es sie. Langsam erhob sie sich und torkelte darauf zu.
Auf ewig…mein Herz.
Als sie sich an die Helligkeit gewöhnt hatte, nahm sie den Arm wieder herunter. Gegen den strahlend blauen Himmel setzten sich gewaltige Äste ab. Sie hob ihren Blick immer höher und höher bis sie die Krone des Himmels deutlich erkennen konnte.

Schweißgebadet wachte sie in ihrem Gemach im Mondtempel auf. Sie setzte sich ruckartig auf und ihr langes Haar fiel über ihre Brust. Auf ihrem Schoß lag eine einzelne Feder.
Mit stark klopfendem Herzen griff sie nach dem Anhänger um ihren Hals.
„Ich komme,“ flüsterte sie leise.

Am Fuße Nordrassils

Ein kleines Bündel Briefe wird von einem Boten im Tempel abgegeben. Darin enthalten ist die Heimatpost der Schildwachen und Priesterinnen, die in Hyjal stationiert sind. Unter anderem befinden sich darin zwei für die Tempelwache wichtige Schreiben:

An die Kommandantin der Tempelwache, Astarii Sternsucher
Statusbericht der Sondereinheit der Tempelwache
unter dem Kommando von Saviya Traumfeder

Nach unserer Ankunft am Fuße Nordrassils ist uns ein Druide zugeteilt worden, der sich bisher als von großem Wert erwiesen hat, da der Schattenhammerkult die Elemente in einer uns bisher nicht vorstellbaren Art und Weise kontrolliert. So ist bereits ein erster Verlust zu melden: Schildwache Nachtsang erlag nach einem Angriff ihren schweren Verbrennungen. Zwei weitere Schildwachen wurden schwer verletzt und befinden sich nun in der Obhut der Druiden am Basislager. Desweiteren muss ich berichten, dass eine Späherin im Einsatz vom Schattenhammerkult gefangen genommen wurde. Auf Anraten des Druiden kann ihre Befreiung erst unternommen werden, wenn weitere Verstärkung eingetroffen ist. Darum ersuche ich um die Zuteilung weiterer Kämpfer.

Ein weiteres Schreiben ist an Themroc Eschenwind adressiert.

Cenarius adore,
es mag dich wundern, dass ich die Muße finde dir zu schreiben. Doch ich kann nicht umhin dir mitzuteilen, dass sich hier seltsame Dinge zutragen.
Wie du vielleicht weißt wurde dein hochgeschätzter Mentor Fandral Hirschhaupt, nachdem seine Verderbnis offenkundig geworden ist, im Grabhügel hier in Hyjal festgesetzt. Das wäre noch nicht weiter schlimm, ist es doch für unsere Zukunft wichtig, dass er niemals wieder in bisheriger Weise Einfluss auf unser Volk und das Geschick Azeroths nimmt.
Nun scheint aber der Schattenhammerkult großes Interesse an seiner Befreiung zu zeigen.
Da sich die Verhältnisse hier als schwieriger als vermutet herausgestellt haben, habe ich um Verstärkung ersucht. Ob sie mir gewährt wird sei dahin gestellt.
Ich kann es kaum glauben zugeben zu müssen, dass es mich schmerzt euch nicht an meiner Seite zu wissen. Doch welche Entscheidung ist schon die richtige, wenn man glaubt dem Herzen zu folgen.
Wenn ich den nächsten Angriff überlebe, wirst du wieder von mir hören.
Die Göttin schütze dich
Saviya

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Saviya hatte einen ruhigen Platz zum Meditieren gefunden. Angesichts der Lage am Fuße von Nordrassil war das ein kleines Wunder, aber sie musste neue Kraft schöpfen, um weiterhin für den Schutz und die Heilung ihrer Einheit sorgen zu können.
Auf einem Felsen über einem kleinen Weiher ließ sie sich nieder. Die Kälte des Gesteins kroch langsam in ihre Beine. Sie spürte den Morgentau auf der Haut und hörte den sanften Flügelschlag der Falter. Das Wasser plätscherte leise an die Felsen. Saviya schloss die Augen und lauschte. Sie lauschte der Melodie des Lebens, aller Dinge die sie umgaben. Tausend Stimmen, die sich in einem Lied formten.
Da waren die klagenden Stimmen der brennenden Bäume, die ängstlichen der Tiere des Waldes. Eine Dissonanz schob sich dazwischen und trübte die Harmonie. Es war die Verderbnis, die vom Schattenhammerkult ausging. Doch unter all den Stimmen nahm sie einen dunklen, sonoren Klangteppich war, auf dem sich jeder Akkord aufbaute, der der Melodie den Halt gab: Nordrassil.
Ein warmes Gefühl breitete sich in ihr aus und Ruhe kehrte in ihre Gedanken zurück.
Es ist also wahr. Nordrassil erholt sich.
Ein Lächeln huschte über ihre verhärteten Gesichtszüge.
Sie atmete tief durch und begann sich auf jede einzelne der Stimmen zu konzentrieren.
Ihre Suche nach IHM hatte erst begonnen.


Die Geschmolzene Front

Saviyas Atem ging stoßweise, als sie versuchte die vor Flammen sprühende Katze mit ihrem Stab auf Distanz zu bringen. Anaya war hinter ihr, Rücken an Rücken, und versuchte gleiches bei einem Feuerelementar.
„Na, wie in alten Zeiten!“ lachte Anaya. Es war ein verzweifeltes Lachen.
Saviya ließ das Mondlicht auf die verwandelte Druidin der Flamme herabregnen. Ein Schrei ertönte und die Druidin verwandelte sich in ihre Nachtelfengestalt zurück.
Eine Sekunde zögerte Saviya angesichts des Anblicks. War das nicht einst eine von ihnen gewesen? Was war nur so kolossal schief gelaufen?
Doch das war genau die Sekunde, welche die Druidin gebraucht hatte. Ein Flammenstoß traf sie auf der Brust und schleuderte sie einige Meter nach hinten.
„Saviya!“ Anaya ließ von dem Elementar ab und rannte zu ihr.
Saviyas Brust war nur noch ein großer schwarzer Fleck. Das Blut war bereits verdampft und bildete eine dunkle Kruste. Langsam hob und senkte sich ihr Brustkorb.
„Warte, ich bring dich weg von hier!“ Anaya hob den Kopf und suchte nach einem Druiden. Sie schrie um Hilfe, doch in dem Kampfgetümmel hörte niemand ihre Rufe.
Plötzlich war direkt hinter ihr das Röcheln eines Aschenhundes zu vernehmen und kurz darauf brach eine Feuersbrunst über sie herein. Anaya schrie vor Schmerzen auf, als ihre Rüstung in wenigen Augenblicken von der Hitze versengt wurde und die Flammen die Haut ihres Rückens verbrannten. Ohne nachzudenken warf sie sich auf Saviya, um wenigstens sie vor den Flammen zu schützen.
Bevor sie das Bewusstsein verlor, hörte sie noch Saviya flüstern.
„Raene wäre stolz auf uns.“


Anayas Gewicht raubte ihr die Luft zum Atmen und die starken Schmerzen in der Brust ließen sie langsam in die Bewusstlosigkeit abdriften.
Der Lärm der Schlacht verblasste allmählich und eine angenehme Ruhe breitete sich aus.
Alles um sie herum verschwamm und sie schloss dankbar die Augen, als sie eine Stimme hörte.
SEINE Stimme.
Die Gestalt eines Nachtelfen näherte sich ihr, groß, schlank, mit langen grünen Haaren, leuchtenden goldenen Augen und einem Lächeln auf den Lippen.
„Mein Herz…du hast mich gefunden!“ Er streckte ihr seine Hand entgegen.
Saviya fühlte sich plötzlich unglaublich leicht. Sie reichte ihm ihre Hand, er ergriff sie und half ihr aufzustehen. Er nahm ihre andere Hand und legte beide auf seine Brust.
„Auf ewig vereint“, sagte er leise.
Saviya dachte in diesem Augenblick an jenen Tag in Winterquell zurück, da sie ihm für alle Zeit ihr Herz geschenkt hatte. Einsam standen sie am Altar von Elune. Nur sie beide und die Natur und gaben sich dieses Versprechen.
„Auf ewig,“ flüsterte sie.
Sie sahen sich lange an und Saviya wusste, dass sie endlich ihre innere Ruhe wiedergefunden hatte. Beide wandten sich von der Schlacht an der Geschmolzenen Front ab und gingen Hand in Hand davon, während ihre Gestalten in einem grünlichen Schimmer verschwanden.



Ein Brief mit dem Siegel der Wächter des Hyjal wird am Mondtempel in Darnassus abgegeben.

An die Kommandantin der Tempelwache

Elune adore, hohe Schwester,

mit größtem Bedauern muss ich Euch mitteilen, dass die Offensive an der Geschmolzenen Front weitere Opfer gefordert hat. Die von Euch gesandte Einheit musste aufgrund mehrerer Verletzter ins Basislager bei Nordrassil zurückgezogen werden. Unsere Gedanken und Gebete gelten denjenigen, die den Angriff der Diener Ragnaros nicht überlebt haben. Einige der Leichen waren bis zur Unkenntlichkeit verbrannt und ihre Asche wurde vor Ort der Erde zurückgegeben.

Namentlich gingen in die Arme der Göttin:

Anaya Schattensturm

Saviya Traumfeder

Unser tiefstes Mitgefühl begleitet dieses Schreiben. Mögen sie ihren Frieden im Mondlicht finden und mit Wohlwollen auf uns herabsehen.

Elune erleuchte Eure Wege

Generalin Taldris Mondsturz

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